Gutes Reiten entsteht nicht zufällig

Gutes Reiten ist gegenseitiges Verständnis.

Gutes Reiten sieht nicht immer gleich aus. Es hängt vom Pferd, vom Reiter, von der Aufgabe und vom jeweiligen Moment ab.

Für mich beginnt gutes Reiten dort, wo Pferd und Reiter ein echtes Team werden. Das Pferd versteht die Hilfen, reagiert fein und weiß, was gemeint ist. Der Reiter wiederum kann fühlen, was im Pferd passiert, und seine Hilfen so einsetzen, dass daraus Klarheit statt Druck entsteht.

Dabei geht es nicht um möglichst spektakuläre Lektionen. Entscheidend ist, wie selbstverständlich Pferd und Reiter miteinander arbeiten.

Rolf Janzen beobachtet die praktische Arbeit mit Pferd und Reiter

Entwicklung

Können muss wachsen dürfen.

Ehrgeiz gehört zum Reiten dazu. Problematisch wird er erst dann, wenn er dem Können vorausläuft.

Eine Lektion kann noch nicht gefestigt sein. Der Reiter kann die notwendigen Hilfen noch nicht sicher genug geben. Das Pferd kann sich vielleicht noch nicht so organisieren, wie es die Aufgabe verlangt.

Das ist kein Fehler. Genau dafür trainieren wir.

Schwierig wird es erst, wenn trotzdem schon das fertige Ergebnis verlangt wird. Dann wird aus Entwicklung schnell Druck.

Für mich bedeutet gutes Training deshalb: am Rand des Möglichen arbeiten, ohne diese Grenze dauerhaft zu überschreiten.

Fördern statt fordern.

Rolf Janzen im Reitunterricht mit Pferd und Reiterin

Klar beobachten

Erst verstehen – dann sinnvoll handeln.

Viele Probleme zeigen sich an einer Stelle und entstehen an einer anderen.

Das Pferd fällt über die Schulter, verliert den Takt oder läuft aus einer Linie heraus. Nur am sichtbaren Fehler zu korrigieren, reicht dann oft nicht.

Ich möchte zuerst verstehen, warum die Situation entstanden ist: War die Linie richtig? War die Vorbereitung ausreichend? Kam die Hilfe im richtigen Moment? Konnte das Pferd sinnvoll darauf reagieren?

Deshalb korrigiere ich möglichst nicht mehrere Dinge gleichzeitig. Eine klare Hilfe bekommt eine klare Aufgabe. Dann beobachte ich die Reaktion und entscheide, was als Nächstes nötig ist.

Mehr dazu: Eine Hilfe nach der anderen

Aufgaben als Werkzeuge

Gute Lektionen werden vorbereitet.

Eine Lektion beginnt nicht erst dort, wo man sie von außen erkennt.

Wenn die Vorbereitung stimmt, kann das Pferd die nächste Aufgabe schon erahnen. Körper, Aufmerksamkeit und Balance sind darauf eingestellt.

Eine Volte, ein Seitengang, ein Übergang oder ein Hindernis ist deshalb kein Selbstzweck. Die Aufgabe ist ein Werkzeug. Sie soll etwas vorbereiten, verbessern oder überprüfen.

Drei Punkte geben mir dabei immer wieder Orientierung:

Working Equitation mit Trail-Hindernis und Garrocha

Linie

Wo bewege ich mein Pferd hin und welche Organisation verlangt diese Linie?

Takt

Bleibt der Rhythmus erhalten, wenn die Aufgabe schwieriger wird?

Balance

Kann das Pferd die Aufgabe tatsächlich tragen oder beginnt es auszuweichen?

Je besser diese Grundlagen stehen, desto leichter können daraus schwierigere Aufgaben entstehen.

Pferd und Reiter

Reiter und Pferd entwickeln sich gemeinsam.

Der Reiter ist maßgeblich dafür verantwortlich, welchen Weg das Pferd gehen kann.

Sitz, Körperspannung, Balance, Timing und die Genauigkeit der Hilfen bestimmen, wie klar die Informationen beim Pferd ankommen.

Je weiter die Ausbildung fortschreitet, desto feiner müssen diese Hilfen werden. Das braucht Zeit und Erfahrung.

Deshalb ergibt sich der nächste Entwicklungsschritt nicht nur aus dem Pferd. Er ergibt sich aus dem, was Pferd und Reiter gemeinsam gerade können und brauchen.

Selbstständigkeit

Unterricht soll selbstständig machen.

Mein Ziel ist nicht, einem Reiter dauerhaft von außen zu sagen, was er in jedem Moment tun soll.

Er soll lernen, selbst zu beobachten, Veränderungen früh zu erkennen und daraus Entscheidungen abzuleiten.

Mit zunehmender Erfahrung sollen Korrekturen immer kleiner werden. Im besten Fall erkennt der Reiter eine Veränderung so früh, dass daraus gar kein großer Fehler mehr entsteht.

Auch das Pferd soll innerhalb klarer Vorgaben immer selbstständiger werden und lernen, seinen Körper zu organisieren. Genau daraus entsteht für mich ein gutes Team.

Weiterlernen

Ausbildung hat kein Ende.

Es gibt keinen Punkt, an dem Pferd oder Reiter fertig ausgebildet sind.

Man lernt weiter, macht Fehler, erkennt neue Zusammenhänge und versteht manches erst viel später wirklich.

Das Ergebnis guter Ausbildung ist deshalb kein Endzustand. Es zeigt sich darin, dass Pferd und Reiter immer sicherer, rhythmischer und besser ausbalanciert durch ihre Aufgaben kommen.

Auf dieser Grundlage darf später auch mehr Dynamik entstehen. Nicht Dynamik anstelle von Harmonie, sondern Dynamik aus Harmonie heraus.

Und genau deshalb entsteht gutes Reiten nicht zufällig.

Im Unterricht wird daraus Praxis.

Diese Grundsätze bestimmen meine Arbeit im Seminar genauso wie im Online-Unterricht.

Reitseminare Online-Reitunterricht