Über mich
Reiten lernen heißt für mich auch, immer wieder neu hinzuschauen.
Ich bin seit vielen Jahren als Reitlehrer unterwegs und sitze genauso lange selbst im Sattel. Meine heutige Art zu reiten und zu unterrichten ist nicht aus einem fertigen Konzept entstanden. Sie ist über viele Jahre gewachsen – durch gute Lehrer, unterschiedliche Pferde, eigene Fehler und die Bereitschaft, Dinge immer wieder zu hinterfragen.
Ich habe vieles gelernt, ausprobiert und zu Hause mit meinen Pferden überprüft. Wenn etwas funktioniert hat, wollte ich wissen, warum. Wenn etwas nicht funktioniert hat, genauso.

Die ersten Jahre
Angefangen hat alles im Westernreiten.
In den ersten Jahren habe ich Unterricht genommen, eigene Pferde geritten und versucht, die Dinge umzusetzen, die mir gezeigt wurden. Vieles davon hat mir geholfen. Aber manches konnte ich damals noch gar nicht richtig verstehen oder umsetzen.
Das gehört für mich heute zum Reiten dazu. Man kann eine Erklärung hören und trotzdem noch nicht an dem Punkt sein, an dem man sie wirklich fühlen und anwenden kann.
Über das Reiten mit Bosal und später mit vier Zügeln kam ich immer stärker mit anderen Formen des Arbeitsreitens in Berührung. Daraus entwickelte sich schließlich mein Weg zur Doma Vaquera.
Prägende Grundlage
Doma Vaquera – vieles von dem, was ich heute tue, beginnt dort.
Die Doma Vaquera hat meine Reiterei stark geprägt. Dort liegt ein großer Teil der Grundlage für das, worauf ich heute im Unterricht und im eigenen Reiten Wert lege.
Es geht um Genauigkeit, Vorbereitung und den richtigen Moment für eine Hilfe. Ich muss wissen, was im Pferd passiert, wann welches Bein auffußt und wie sich das Pferd gerade ausbalanciert.
Je besser die Vorbereitung, desto leichter kann sich das Pferd auf die nächste Aufgabe einstellen. Für mich beginnt eine Lektion deshalb nicht erst dort, wo man sie von außen erkennt.
Dieses Denken begleitet mich bis heute.

Über den Rand der Disziplin
Verschiedene Aufgaben haben meinen Blick erweitert.
Über die Jahre kamen weitere Einflüsse dazu. Einzelne gute Dressur- und Springreiter haben mir bei Fragen zu Balance, Hilfengebung und Vorbereitung weitergeholfen. Nicht, weil diese Disziplinen mein eigener Schwerpunkt wurden, sondern weil gute Reiter oft über den Rand ihrer eigenen Disziplin hinausschauen.
Dazu kamen Rinderarbeit, Cutting, Working Cow Horse und später vor allem Working Equitation.
Gerade dort wird deutlich, dass ein Pferd nicht für jede Aufgabe gleich organisiert sein kann. In der Dressur braucht es eine andere Form von Balance und Ausdruck als im Trail. Im Speed Trail wieder eine andere. An den Rindern zählen Reaktion, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, den eigenen Körper schnell neu zu organisieren.
Für mich gibt es deshalb nicht das eine Bild, in das jedes Pferd immer passen muss. Entscheidend ist, was die Aufgabe verlangt und ob Pferd und Reiter dafür vorbereitet sind.
Was mir die Pferde beigebracht haben
Viele meiner wichtigsten Lehrer waren Pferde.
Über die Jahre habe ich eigene Pferde geritten, Berittpferde gearbeitet und Jungpferde angeritten. Dabei lernt man schnell, dass nicht jede Idee bei jedem Pferd gleich funktioniert.
Pferde zeigen ziemlich ehrlich, ob eine Hilfe verständlich ist, ob die Vorbereitung stimmt und ob man gerade zu viel verlangt.
Ich habe Dinge falsch gemacht. Wenn ich diese Fehler nicht gemacht hätte, wäre ich heute nicht da, wo ich bin.
Ich muss mich bei einigen Pferden dafür entschuldigen, dass ich es damals noch nicht besser konnte. Und ich muss mich bei vielen Pferden bedanken, weil sie mir gezeigt haben, was richtig ist.
Diese Erfahrungen haben meinen Blick auf Ausbildung stärker geprägt als jede Theorie.
Was ich über Menschen gelernt habe
Gute Erklärungen müssen zum Menschen passen.
Schon bevor der Reitunterricht ein großer Teil meines Lebens wurde, habe ich Menschen etwas beigebracht. In meinen Zwanzigern war ich in der Computerbranche tätig und habe Schulungen gegeben.
Dabei habe ich früh gelernt, dass dieselbe Erklärung nicht bei jedem Menschen gleich ankommt. Manche brauchen einen klaren Ablauf, andere ein anderes Bild, andere Worte oder einen anderen Zugang.
Das begleitet mich bis heute im Reitunterricht. Ich möchte nicht nur sagen, was jemand tun soll. Ich möchte erklären, warum etwas funktioniert und worauf der Reiter achten kann.
Wenn eine Erklärung nicht ankommt, muss ich als Lehrer einen anderen Weg finden.
Wo ich heute stehe
Ich möchte niemandem mein System überstülpen.
Jeder Reiter bringt seinen eigenen Körper, sein eigenes Gleichgewicht und seine eigene Art zu lernen mit. Beim Pferd ist es nicht anders.
Deshalb geht es mir nicht darum, dass jemand genauso reitet wie ich. Ich möchte an das vorhandene System von Pferd und Reiter herankommen und dort die Punkte verbessern, die für gutes Reiten entscheidend sind.
Der Reiter soll früher erkennen, wenn etwas aus der Balance gerät, seine Hilfen besser verstehen und immer genauer fühlen können, was sein Pferd gerade leisten kann.
So werden aus Korrekturen mit der Zeit feinere Hilfen. Aus Unsicherheit wird Klarheit. Und Pferd und Reiter können immer selbstständiger miteinander arbeiten.
Für mich geht es nicht darum, möglichst viel zu fordern.
Es geht darum, gut genug vorzubereiten, um wirklich fördern zu können.
Weiterlesen
Wie ich heute arbeite
Wie diese Gedanken im Unterricht praktisch aussehen, habe ich auf den folgenden Seiten genauer beschrieben. Ob im Seminar oder online – Ausgangspunkt ist immer das, was Pferd und Reiter gerade mitbringen.
Gutes Reiten entsteht nicht zufällig
